Alternativmedizin: was die Grundversicherung zahlt und was nur mit Zusatzversicherung geht
Klarsicht Ratgeber · Stand 18.09.2026
Kaum ein Thema sorgt für mehr Missverständnisse als die Alternativmedizin. Viele glauben, die Grundversicherung zahle nichts. Andere glauben, mit der Zusatzversicherung sei alles gedeckt. Beides stimmt nicht.
Was die Grundversicherung zahlt
Seit 2017 übernimmt die Grundversicherung fünf komplementärmedizinische Methoden: Akupunktur, anthroposophische Medizin, Homöopathie, Phytotherapie und Traditionelle Chinesische Medizin. Der Haken: nur wenn eine Ärztin oder ein Arzt mit entsprechender Weiterbildung die Behandlung durchführt. Die Naturheilpraktikerin, der Osteopath, die Masseurin: alles nicht gedeckt, egal wie gut sie sind. Und wie bei jeder Leistung gelten Franchise und Selbstbehalt.
Was die Zusatzversicherung leistet
Die Zusatzversicherung für Alternativmedizin, je nach Gesellschaft «Komplementärmedizin» oder «Naturheilkunde» genannt, deckt die Behandlung bei anerkannten Therapeutinnen und Therapeuten ohne Arztdiplom. Typisch:
- Ein Prozentsatz der Kosten, meist 50 bis 80 Prozent, bis zu einem Höchstbetrag pro Jahr, oft zwischen CHF 1'000 und 10'000.
- Eine Liste anerkannter Methoden. Sie ist von Gesellschaft zu Gesellschaft verschieden. Manche decken über hundert Methoden, andere zwei Dutzend.
- Die Bedingung, dass die Therapeutin bei einem Register wie EMR oder ASCA anerkannt ist. Ohne diese Anerkennung zahlt die Versicherung nichts, auch wenn die Methode auf der Liste steht.
- Bei Massage oft eine eigene Regel oder ein eigener Betrag, weil sie die häufigste Leistung ist.
Worauf Sie beim Abschluss schauen sollten
- Ist meine Therapeutin anerkannt? Fragen Sie sie direkt nach der EMR- oder ASCA-Nummer. Das ist wichtiger als jeder Prozentsatz.
- Steht meine Methode auf der Liste? Osteopathie, Craniosacral-Therapie, Shiatsu, Kinesiologie: Nicht jede Gesellschaft deckt alles.
- Wie hoch ist die Obergrenze? Wer jede Woche zur Massage geht, stösst mit CHF 1'000 pro Jahr schnell an.
- Ist die Deckung ambulant oder auch stationär? Kuren und stationäre Behandlungen in anthroposophischen Kliniken decken nur wenige Produkte.
Lohnt es sich?
Für Menschen, die regelmässig alternativmedizinische Behandlungen nutzen, ist diese Zusatzversicherung eine der wenigen, bei denen die Leistung die Prämie oft übersteigt. Wer sie nur «für alle Fälle» abschliesst, zahlt meist drauf. Rechnen Sie ehrlich: Was geben Sie heute pro Jahr aus, und was würde die Versicherung davon übernehmen? Im Vergleich von Klarsicht steht die Alternativmedizin als eigenes Thema, mit den Prozentsätzen und Obergrenzen jeder Gesellschaft nebeneinander.